Komm mit auf den Weg zur FirmungSich auf den Weg zur Firmung zu machen, heißt für die Mädchen und Jungen unserer Pfarrei, ein Stück Kirche und gelebten Glauben in der Gemeinde vor Ort zu entdecken, in verschiedenen Bereichen Erfahrungen zu sammeln und so auch dem eigenen Glauben mehr auf die Spur zu kommen. Nicht zuletzt geht es darum, dass sich bei allen Gefirmten immer mehr das Bewusstsein von „Wir sind Kirche“ durchsetzt. Dazu will die Firmvorbereitung einladen und unsere jungen Christen begeistern. Firmvorbereitung als Einübung in „Wir sind Kirche“ Komm mit auf den Weg zur Firmung! - mit diesem Slogan werden in unserer Pfarreiengemeinschaft seit mehreren Jahren bereits junge Christen im Alter von 12 Jahren (6. Klasse) eingeladen, den Glauben für sich als Lebenshilfe neu zu entdecken und die in der Firmung empfangenen Gaben des Heiligen Geistes zu entfalten – und das ganz bewusst im Raum der Pfarrgemeinde vor Ort. Dahinter steht ein Konzept, das seine Wurzeln in der Urkirche hat. Die christlichen Gemeinden haben von Anfang an versucht das Werk Jesu in ihrem konkreten Leben vor Ort fortzusetzen. Schon die ersten Christen fragten sich daher, was denn eine christliche Gemeinde ausmache und worin ihre Aufgabe und Sendung vom Evangelium her bestünde. In der Apostelgeschichte lesen wir: "Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. […] Sie ver-kauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag ver-harrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt" (Apg 2,42.45-47) Gerade wenn es sich bei diesem Text nicht einfach um einen historischen Bericht, sondern um eine Stilisierung des urgemeindlichen Lebens durch den Verfasser Lukas handelt, wird hier das Selbstverständnis der Gemeinde erkennbar: Jesu Botschaft lebendig halten und in seinen Spuren das eigene Leben gestalten.
Maßgeblich war daür immer das Handeln und Vorbild Jesu selbst, in vier wesentlichen Gesten zusammengefasst, aus denen sich dann wiederum „vier kirchliche Grundvollzüge“ wie folgt ergeben: - sich mit der Botschaft Jesu auseinander setzen (Martyria)
- Beten und Gottesdienst feiern (Leiturgia).
- als des Herrn Gemeinde Gemeinschaft (er-)leben (Koinonia)
- aufmerksam sein auf Hilfsbedürftige und helfen (Diakonia)
Versteht man neben allen anderen theologischen Deutungen die Firmung auch als das Sakrament des Erwachsenwerdens in der Kirche, so bieten sich diese vier Grundvollzüge christlicher Gemeinde als Wegweiser an, um einem Leben aus dem Geiste Jesu auf die Spur zu kommen. So sollen die Firmbewerber jeden der vier christlichen Grundvollzüge kennen lernen und darin Erfahrungen sammeln – und das möglichst konkret und in Verbindung mit Christen vor Ort. Wie ein Stuhl auf vier Beinen, so steht der Firmkurs in Sulzbach auf den vier Säulen der kirchlichen Aufgaben und soll als Ganzes eine Art „Grundkurs Gemeinde“ sein und zugleich Einführung und Einübung in den christlichen „Way of Life“. sich mit der Botschaft Jesu auseinander setzen
In der Firmung empfängt der junge Mensch den Heiligen Geist als Stärkung und Kraft-quell für sein Leben. In der Kraft des Heiligen Geistes geschieht Befähigung zum eigenen Leben. Christlich gedeutet, meint das die Befähigung die eigene Sendung in der Welt und Kirche zu erfüllen. Sich dazu auf den Weg zu machen, erfordert immer wieder neu die Auseinandersetzung mit den Grundinhalten unseres Glaubens (Martyria), was im Rahmen von Gruppenstunden entlang des Apostolischen Glaubensbekenntnisses ge-schieht. Früher war dabei immer vom „Firmunterricht“ die Rede. Das erneuerte Kon-zepts geht über die Vermittlung von Glaubenswissen hinaus (wobei diese die Grundlage ist und bleibt). In einer Gruppe von einem/r Katecheten/in begleitet sind die 12-Jährigen herausgefordert, sich mit der christlichen Botschaft vor dem Hintergrund des eigenen Lebens zu befassen und deren orientierende und ermutigende Kraft zu entdecken. Dabei liegt der thematische Schwerpunkt auf Glaubenserfahrung und –deutung, der methodische auf Austausch und Gespräch in der Gruppe.
beten und Gottesdienst feiern Das zweite „Standbein“ der Firmvorbereitung ist die Feier der Liturgie. Auch wenn der Wunsch und das Ideal bestehen bleibt, dass sich die Firmlinge mit der Gemeinde sonntags am Tische des Herrn versammeln, so haben wir versucht daneben einen neuen Weg einzuschlagen und eine eigene Jugendgottesdienstform anzubieten. Unter dem Motto „One For Him – eine Stunde für Gott“ treffen sich Firmlinge und Gefirmte nun an einem Samstagabend im Monat in der Annakirche zur gemeinsamen Wort-Gottesfeier. Danach schließen sie sich der Eucharistiefeier der Gemeinde in der Margaretenkirche an.
als des Herrn Gemeinde Gemeinschaft (er-)leben Und nach dem Gottesdienst? „Geht noch was?“ – „Na klar!“ Spätestens nach dem Gottesdienst beginnt für viele das Wochenende so richtig und mit jungen Erwachsenen der Pfarrei wird noch etwas losgemacht und unternommen. So gab es beispielsweise schon eine „coole“ Disko im Pfarrheim oder eine schaurig-schöne Nachtwanderung. Gemeinsame Unternehmungen, wie z.B. auch der Ausflug nach Würzburg und ein gemeinsames Wochenende auf dem Volkersberg, haben immer auch den Sinn, sich gegenseitig besser kennen zu lernen, Gemeinschaft unmittelbar zu erleben und ungekünstelt im Geiste Jesu zu gestalten. Wer das Wochenende im Bunkalowdorf auf dem Volkersberg mitgemacht hat, kann wohl bestätigen, dass dieser Fahrt unter dem Motto „Komm mit ins Dorf der Firmlinge!“ eine besondere Bedeutung in Sachen „Koinonia-Kompetenz“ zukommt. aufmerksam sein auf Hilfsbedürftige und helfen Neben den Firmgruppenstunden, den Gottesdiensten und dem Gemeinschaftsleben wird seit letztem Jahr auch der vierten Aufgabe einer christlichen Gemeinde mehr Raum in der Vorbereitung auf die Firmung gegeben: Die Aufmerksamkeit für; bzw. Sorge um die Armen. Dazu erhält jeder Firmling die sogenannte „FiAk-Card“. Hierauf halten sie fest, wann und wie lange sie als Firmlinge aktiv geworden sind, sich für Menschen in Not eingesetzt und so Verantwortung im Geiste Jesu übernommen haben. Dabei geht es nicht um geschäftigen Aktivismus, sondern zuallererst um das Aufmerksamwerden, wer in meiner Umgebung meine Hilfe braucht. Das kann die gehbehinderte Nachbarin sein, für die ich unentgeltlich Einkäufe übernehme oder der Mitschüler, dem ich die Matheaufgabe nochmals erkläre. Die FiAk-Card soll auch Anstoß sein, Menschen zu begegnen und sich für diese bewusst Zeit zu nehmen, denen gesamtgesellschaftlich zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. So besuchten Firmlinge in den letzten zwei Jahren Seniorenheime und Einrichtungen für Menschen mit NBehinderung, halfen bei Typisierungen der Leukämiehilfe oder unterstützten tatkräftig Eine-Welt- oder andere Aktionen des Sozialkreises. Beobachtungen dabei immer wieder: Menschen zu erleben, die aus christlicher Motivation heraus an einer menschenfreundlicheren Welt mitarbeiten, beeindruckt Jugendliche nach wie vor und übt auf sie eine inspirierende Wirkung aus. Andreas Bergmann (mit Veränderung entnommen aus: Kirchenfenster - Pfarrbrief für Sulzbach und Dornau. Ostern 2004. S. 5-8.)
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